In Relation to Nothingness

Alex Harbich

Jede Maus sitzt in ihrem eigenen Käfig. Eine Eule wird freigelassen. Die Maschine misst das
Maß der Angst: Jede Maus fühlt individuell. Nun sitzen die Mäuse in einem gemeinsamen
Käfig. Eulen werden freigelassen. Die Maschine misst das Maß der Angst: Alle Mäuse
fühlen gleich. Angst wurde kollektiv. Angst verbindet uns, wortlos und unsichtbar. 
Sie ist dem Menschen von Natur aus gegeben, aber ebenso ist sie ein gesellschaftliches Phänomen. Nicht nur in Form der Massenhysterie, auch im ganz kleinen. Es gibt Objekte und Symbole, die repräsentativ für Angst stehen - die im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaftsgruppe verankert sind. 

Der Körper reagiert auf diese Angst - auch äußerlich. Wir teilen sie: Befinden wir uns Nachts an dunklen Orten, fühlen wir in Gruppen ein geringeres Maß an Angst. Angst ist kollektiv,
nicht nur für Mäuse. Die existentiellste aller Ängste ist die vor dem Tod. Die meisten Momente dieses Gefühls basieren, berechtigt oder irrational, darauf, ihm ein Stück näher zu rücken. Der Mensch konserviert, zelebriert, verhindert und verzögert ihn, seit es ihn gibt. Die Angst vor dem Tod ist auch die Angst der Ungewissheit, die vor fehlender Information. Sie rückt der Vorstellung des absoluten Nichts so nahe, wie sonst kaum etwas. Das macht die
Ungewissheit des Todes zu der vielleicht kollektivst möglichen Angst: Jeder Mensch führt ein eigenes Verhältnis zum Nichts, aber unterworfen sind wir ihm alle.

Say hi!

Lissy Gollnik